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Kommt, Kinder, lasst uns gehen

Strophe 1

Kommt, Kinder, lasst uns gehen,
der Abend kommt herbei!
Es ist gefährlich stehen
in dieser Wüstenei.
Kommt, stärket euren Mut,
zur Ewigkeit zu wandern,
von einer Kraft zur andern;
es ist das Ende gut!

Strophe 2

Geht's der Natur entgegen,
so geht's gerad und fein;
die Fleisch und Sinnen pflegen,
noch schlechte Pilger sein.
Verlasst die Kreatur
und was euch sonst will binden,
lasst gar euch selbst dahinten,
es geht durchs Sterben nur!

Strophe 3

Schmückt euer Herz aufs Beste,
sonst weder Leib noch Haus;
wir sind hier fremde Gäste
und ziehen bald hinaus.
Gemach bringt Ungemach;
ein Pilger muss sich schicken,
sich dulden und sich bücken
den kurzen Pilgertag.

Strophe 4

Kommt, Kinder, lasst uns gehen,
der Vater gehet mit;
er selbst will bei uns stehen
bei jedem sauren Schritt!
Er will uns machen Mut,
mit süßen Sonnenblicken
uns locken und erquicken;
ach ja, wir haben's gut!

Strophe 5


Ist gleich der Weg was enge,
so einsam, krumm und schlecht,
der Dornen in der Menge
und manches Kreuze trägt:
es ist doch nur ein Weg.
Lass sein, wir gehen weiter,
wir folgen unserm Leiter
und brechen durchs Geheg.

Strophe 6

Wir wandeln eingekehret,
verach‘t und unbekannt;
man stehet, kennt und höret
uns kaum im fremden Land.
Und höret man uns ja,
so höret man uns singen
von unsern großen Dingen,
die auf uns warten da.

Strophe 7

Kommt, lasst uns munter wandern,
der Weg kürzt immer ab,
ein Tag, der folgt dem andern,
bald sinkt das Fleisch ins Grab.
Nur noch ein wenig Mut,
nur noch ein wenig treuer,
vor allen Dingen freier,
gewandt zum ew‘gen Gut!

Strophe 8

Es wird nicht lang mehr währen;
halt noch ein wenig aus!
Es wird nicht lang mehr währen,
so kommen wir nach Haus.
Da wird man ewig ruhn,
wenn wir mit allen Frommen
daheim zum Vater kommen.
Wie wohl, wie wohl wird's tun!

Liederbücher

  • Reichslieder 1909Nummer: 356
  • Reichslieder 1931/51Nummer: 369

Notensatz (4 Stimmen gemischt)

Melodie: (unbekannt)